SEOKI & Automatisierung 12. August 2026 · 8 Min. Lesezeit

Generative KI in der Search Console: was der neue Bericht zeigt und was er verschweigt

Dietrich Beck (Dima), Webdesigner und SEO-Experte aus Kassel

Dietrich Beck

Webdesigner & SEO-Experte aus Kassel

Generative KI in der Search Console: was der neue Bericht zeigt und was er verschweigt

In der Search Console gibt es einen neuen Menüpunkt: Generative KI. Er zeigt erstmals, wie oft deine Seiten in KI-Übersichten und im KI-Modus auftauchen. Die SEO-Szene nennt ihn überwiegend nutzlos. Ich habe den Bericht in meinem Konto, zeige echte Zahlen daraus und erkläre, welche eine Erkenntnis wirklich drinsteckt.

In meiner Search Console steht ein Menüpunkt, den es vorher nicht gab: „Generative KI“. Darunter eine Zahl, 196 Impressionen in drei Monaten, und ein Diagramm, das ab Ende Juli deutlich nach oben zeigt.

Die Reaktion der SEO-Szene war eindeutig. Unter dem ersten viralen Beitrag dazu sammelten sich Kommentare wie „pretty useless“ und „doesn't give you query or anything actionable“. Ein anderer schrieb, der Bericht, den er eigentlich wolle, seien Markennennungen in Gemini.

Sie haben in der Sache recht. Und trotzdem lohnt der Blick, denn der Bericht beantwortet eine Frage, die vorher schlicht nicht beantwortbar war. Nebenbei erklärt er ein Rätsel, über das sich seit Monaten viele Websitebetreiber wundern, ohne zu wissen, dass es damit zusammenhängt.

Was Google da eingeführt hat

Am 3. Juni 2026 hat Google die Berichte zu generativer KI in der Search Console eingeführt, je einen für die Suche und für Discover. Sie zeigen, wie oft Links zu deiner Website in einer generativen KI-Funktion der Google-Suche präsentiert wurden.

Erfasst werden genau zwei Funktionen:

  • Übersichten mit KI, also die KI-Antwort oberhalb der klassischen Trefferliste
  • KI-Modus, die dialogbasierte Suche, die es in Deutschland seit dem 7. Oktober 2025 gibt

Alles andere zählt nicht. ChatGPT, Perplexity, Claude oder Copilot tauchen hier nicht auf, denn Google misst ausschließlich die eigene Oberfläche.

Was drinsteht und was fehlt

Hier liegt der Grund für die enttäuschten Reaktionen. Der Bericht ist bewusst schmal gehalten:

Im Bericht enthalten
Impressionenja, als einzige Kennzahl
Seitenja, gruppiert nach kanonischer URL
Länderja, nach Suchregion
Geräteja, Computer, Tablet, Mobilgerät
Zeitraumja, stündlich bis monatlich
Klicksnein
CTRnein
Positionnein
Suchanfragennein

Du siehst also, dass du auftauchst, aber nicht, wonach jemand gesucht hat und ob daraus je ein Besuch wurde. Google kündigt an, mit der Zeit weitere Kennzahlen zu ergänzen. Ein Termin dafür existiert nicht.

Die Falle, in die gerade viele tappen

Der wichtigste technische Punkt kommt in den meisten Berichten zu kurz, und er kostet dich sonst eine falsche Schlussfolgerung:

Der KI-Bericht ist kein zweiter Datenstrom, sondern ein Ausschnitt. Die Impressionen stammen aus dem Suchtyp „Web“ deines normalen Leistungsberichts und waren dort schon immer enthalten. Neu ist nur, dass Google sie jetzt getrennt ausweist.

Wer also seine KI-Impressionen zu den Impressionen aus dem Hauptbericht addiert, zählt doppelt. Es sind keine zusätzlichen Einblendungen, es ist eine Teilmenge.

Dazu passt eine zweite Regel: Erscheint dieselbe URL auf einer Ergebnisseite sowohl in der KI-Übersicht als auch als klassischer blauer Link, zählt Google eine Impression, nicht zwei. Und tauchen zwei Seiten derselben Website in einer KI-Antwort auf, ist das im Diagramm ebenfalls nur eine Impression.

Wann eine Impression überhaupt entsteht

Auch das ist enger gefasst, als die meisten annehmen. John Mueller von Google hat es so beschrieben: Gezählt wird, wenn ein Link auf eine Seite deiner Website in der KI-Antwort tatsächlich angezeigt wird.

Daraus folgen zwei Dinge, die im Alltag echte Konsequenzen haben:

  • Eine Nennung ohne Link zählt nicht. Deine Marke kann in einer KI-Antwort ausführlich besprochen werden, und in der Search Console erscheint trotzdem nichts, weil kein anklickbarer Verweis dabei war.
  • Versteckte Links zählen erst nach dem Aufklappen. Steckt dein Link hinter einem Element, das der Nutzer erst öffnen muss, wird die Impression erst in dem Moment gezählt, in dem er es öffnet.

Die Zahl im Bericht ist also eher eine Untergrenze deiner tatsächlichen Sichtbarkeit in Googles KI-Antworten, nicht deren vollständiges Abbild.

Das Rätsel der seltsamen Suchanfragen

Jetzt der Teil, der mich am meisten überrascht hat, und den ich für den praktisch wertvollsten halte.

Vielleicht ist dir in deinem normalen Leistungsbericht schon aufgefallen, dass dort Suchanfragen auftauchen, die keine sind. Dinge wie „ja“, „mach weiter“ oder „und was noch“. Viele halten das für einen Fehler in der Search Console.

Es ist keiner. Stellt ein Nutzer im KI-Modus eine Folgefrage, wertet Google das als komplett neue Suchanfrage. Alle Impressionen, Klicks und Positionen der neuen Antwort werden dieser neuen Anfrage zugeordnet. Wenn jemand also im Dialog nur „ja“ tippt, um die Antwort fortzusetzen, landet genau dieses „ja“ als Suchanfrage in deinem Bericht.

Das ergibt eine kuriose Situation: Ausgerechnet der Bericht, der laut Google keine Suchanfragen zu KI-Funktionen enthält, ist die einzige Stelle, an der du überhaupt Spuren von KI-Modus-Anfragen mit Klickdaten siehst. Nur eben im normalen Leistungsbericht und nicht im neuen.

Wenn du solche Fragmente bei dir findest, ist das kein Datenmüll, sondern ein Signal: Deine Inhalte werden in laufenden KI-Dialogen verwendet.

Meine echten Zahlen

Genug Theorie. Das steht in meinem Konto für d1ma.de, Zeitraum drei Monate:

  • 196 Impressionen insgesamt
  • Bis etwa 20. Juli praktisch flach, danach ein klarer Anstieg mit einer Spitze von 23 Impressionen an einem einzigen Tag Anfang August
  • Die meistgenannte Seite ist ein Blogartikel mit 93 Impressionen, also fast der Hälfte des Gesamtvolumens
  • Auf Platz zwei folgt ein weiterer Blogartikel mit 26

Und jetzt das, was mich wirklich interessiert: Keine einzige meiner Leistungs- oder Landingpages taucht oben auf. Nicht die Startseite, nicht die Seite zu SEO in Kassel, keine der Branchenseiten. Es sind ausschließlich erklärende Artikel.

Das deckt sich exakt mit dem, was ich im Artikel darüber beschrieben habe, warum Betriebe bei ChatGPT nicht auftauchen: KI-Systeme zitieren Inhalte, die eine Frage beantworten, nicht Seiten, die eine Leistung verkaufen. Der neue Bericht ist der erste harte Beleg dafür aus Googles eigener Datenquelle, den ich in der Hand halte.

Bei einem größeren Kundenprojekt sieht die Größenordnung anders aus, das Muster aber gleich:

Verlauf der KI-Impressionen in der Google Search Console über zwei Wochen mit rund 1.250 Impressionen
Verlauf der KI-Impressionen in der Google Search Console über zwei Wochen mit rund 1.250 Impressionen

Was du daraus ableiten kannst und was nicht

Seien wir ehrlich über die Grenzen. Mit Impressionen allein lässt sich nicht feststellen:

  • ob die Sichtbarkeit je zu Besuchern geführt hat
  • bei welchen Fragen du zitiert wirst
  • ob du als Empfehlung oder als Gegenbeispiel auftauchst
  • wie du im Vergleich zum Wettbewerb dastehst

Umsetzbar ist trotzdem etwas, und dafür lohnt der Bericht:

  1. Finde heraus, welche Inhalte die Maschine überhaupt sieht. Das ist die eine Frage, die vorher unbeantwortbar war. Ein Kommentar unter dem erwähnten Beitrag brachte es gut auf den Punkt: schön zu sehen, welche Seiten die Maschine wahrnimmt.
  2. Vergleiche die Liste mit deinen Geschäftszielen. Wenn dein Umsatz an einer Leistung hängt, die in der Liste fehlt, weißt du, wo Inhalt fehlt.
  3. Schau dir das Format der genannten Seiten an. Bei mir sind es lange, klar gegliederte Artikel mit konkreten Zahlen. Das ist reproduzierbar.
  4. Kontrolliere den Zeitverlauf nach Veröffentlichungen. Mein Anstieg ab Ende Juli fällt mit neuen Artikeln zusammen. Das ist kein Beweis, aber ein Hinweis, den ich weiterverfolge.

Der Bericht, den du dir zusätzlich ansehen solltest

Ein Kommentar in der Diskussion war besonders treffend: Bings AI Performance sei deutlich interessanter. Das stimmt, und es ist der praktischste Rat aus diesem ganzen Thema.

Microsoft hat seine AI Performance in den Bing Webmaster Tools bereits am 9. Februar 2026 gestartet, also rund vier Monate vor Google. Und sie zeigt genau das, was bei Google fehlt:

Google Search ConsoleBing Webmaster Tools
Impressionenjaja
Zitierte Seitenjaja
Suchanfragenneinja, als Grounding Queries
Zitierungenneinja

Grounding Queries sind die Suchanfragen, die Copilot intern selbst erzeugt, wenn er Inhalte aus dem Web braucht, um eine Frage zu beantworten. Das ist die Ebene, die alle bei Google vermissen.

Der Aufwand dafür ist gering: Property in den Bing Webmaster Tools anlegen, verifizieren, Sitemap einreichen. Eine halbe Stunde, und du siehst mehr über deine KI-Sichtbarkeit als in Googles Bericht. Nebenbei ist Bing der Index, auf dem auch ChatGPT aufsetzt.

„Bei mir sieht das anders aus“

Falls du den Menüpunkt nicht findest, gibt es drei nüchterne Erklärungen:

  • Dein Konto hat noch keinen Zugriff. Der Rollout lief gestaffelt, zuerst an eine kleine Gruppe, inzwischen deutlich breiter.
  • Deine Website hat zu wenige Impressionen in den unterstützten KI-Funktionen. Ohne Daten kein Bericht.
  • Deine Website hat sich selbst ausgeschlossen über die Steuerung, mit der sich Inhalte aus generativen KI-Antworten heraushalten lassen.

Achte außerdem darauf, dass die jeweils neuesten Tage vorläufig sind. Google stellt sie im Diagramm mit einer gepunkteten Linie dar.

Mein Fazit

Der Bericht ist in seiner heutigen Form kein Werkzeug, mit dem du Entscheidungen triffst. Wer „nutzlos“ sagt, meint eigentlich: Er beantwortet nicht die Frage nach dem Ertrag. Das stimmt.

Aber er ist der erste offizielle Messpunkt dafür, dass die KI-Suche deine Inhalte überhaupt verwendet, und er kommt von der Quelle selbst statt von einem Drittanbieter, der es schätzt. Für den Anfang ist das mehr, als wir vor drei Monaten hatten.

Meine Empfehlung ist unaufgeregt: Schau einmal im Monat rein, notiere dir die genannten Seiten, und zieh daraus Schlüsse über Formate statt über Umsatz. Die eigentliche Arbeit an deiner Sichtbarkeit ändert sich dadurch nicht. Sie besteht weiter darin, Fragen deiner Kunden so zu beantworten, dass eine Maschine dich zitieren kann.

Wenn du wissen willst, wie dein Betrieb aktuell in der KI-Suche dasteht und ob sich der Aufwand für dich rechnet, melde dich für eine kostenlose Erstanalyse. Ich sage dir ehrlich, wo du stehst.

Dietrich Beck (Dima), Webdesigner und SEO-Experte aus Kassel

Dietrich Beck

Webdesigner & SEO-Experte aus Kassel

Ich helfe lokalen Unternehmen seit über 10 Jahren, bei Google sichtbar zu werden und mehr Anfragen zu bekommen. Was ich hier schreibe, kommt aus echten Projekten, nicht aus dem Lehrbuch: Webdesign, SEO und KI-Automatisierungen, die tatsächlich Kunden bringen.

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