SEOKI & Automatisierung 12. August 2026 · 8 Min. Lesezeit

Bing Webmaster Tools: warum die Search Console allein nicht mehr reicht

Dietrich Beck (Dima), Webdesigner und SEO-Experte aus Kassel

Dietrich Beck

Webdesigner & SEO-Experte aus Kassel

Bing Webmaster Tools: warum die Search Console allein nicht mehr reicht

Fast jeder Websitebetreiber kennt die Google Search Console. Das zweite Werkzeug lassen die meisten links liegen, weil Bing angeblich keine Rolle spielt. Diese Rechnung ging bis vor zwei Jahren auf. Heute sitzt auf dem Bing-Index ein erheblicher Teil der KI-Suche, und das Werkzeug zeigt Daten, die Google dir bewusst vorenthält.

Wenn du eine Website betreibst, hast du vermutlich die Google Search Console eingerichtet. Und wenn du wie die meisten bist, hast du beim zweiten Werkzeug abgewinkt: Bing Webmaster Tools, brauche ich nicht, über Bing kommt sowieso niemand.

Diese Rechnung war jahrelang richtig. Sie ist es seit etwa zwei Jahren nicht mehr, und zwar aus einem Grund, der mit Bing als Suchmaschine wenig zu tun hat.

Ich habe meine eigene Website gestern dort eingetragen. In diesem Artikel steht, warum ich das für einen der unterschätztesten Handgriffe im lokalen SEO halte, was das Werkzeug kann, was Google nicht kann, und was ich in vier Wochen an echten Zahlen nachtrage.

Vorab: es geht nicht um Bing-Traffic

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich behaupte nicht, dass dir Bing plötzlich Kunden bringt. Für die meisten lokalen Betriebe wird der direkte Anteil klein bleiben.

Trotzdem lohnt ein ehrlicher Blick auf die Zahlen, denn eine davon überrascht die meisten. Nach den Statcounter-Daten für April 2026 liegt Bing in Deutschland bei rund 9,7 Prozent über alle Geräte. Auf dem Desktop sind es etwa 18 Prozent, auf Mobilgeräten dagegen kaum etwas.

Der Grund ist banal: Windows, Edge und die Microsoft-Umgebung in Unternehmen und Behörden. Wer Kunden hat, die am Arbeitsplatz recherchieren, etwa bei Aufträgen für Verwaltungen, Kanzleien oder Firmenkunden, redet nicht über eine Nische. Wer ausschließlich Privatkunden am Handy bedient, dagegen schon.

Aber selbst wenn dieser Anteil bei null läge, wäre das Werkzeug den Aufwand wert. Aus dem folgenden Grund.

Der eigentliche Grund: Bing trägt die KI-Suche

Wenn ein Sprachmodell eine Frage beantwortet, für die es aktuelle Informationen braucht, sucht es im Hintergrund im Web. Die Frage ist, in welchem Index es sucht.

  • Microsoft Copilot greift direkt auf Bing zu. Copilot steckt in Windows, in Edge und in den Office-Anwendungen, also dort, wo Millionen Menschen ohnehin den ganzen Tag arbeiten.
  • ChatGPT nutzt für die Websuche als dokumentierte Hauptquelle ebenfalls den Bing-Index.

An dieser Stelle wird üblicherweise die einfache Formel gezogen: ChatGPT gleich Bing, also ab in die Webmaster Tools. Diese Formel ist mir zu bequem, deshalb die ehrliche Fassung: Unabhängige Tests aus 2025 und 2026 zeigen, dass ChatGPT bei zahlenden Nutzern zusätzlich auf Google-Ergebnisse zugreift, ohne dass OpenAI das offengelegt hätte. Es ist also kein reines Bing-System.

Die praktische Schlussfolgerung ändert das aber nicht, sondern verschiebt sie nur leicht: Wer bei Bing nicht sauber indexiert ist, fällt bei einem erheblichen Teil der KI-Antworten von vornherein aus. Und anders als bei Google kostet dich die Aufnahme dort nichts außer einer halben Stunde.

Wie sehr das zusammenhängt, habe ich im Artikel darüber beschrieben, warum Betriebe bei ChatGPT nicht auftauchen. Die Kurzfassung: Sichtbarkeit in der KI ist kein eigener Kanal, sondern das Ergebnis von Sichtbarkeit in den Indizes, aus denen sie schöpft.

Was das Werkzeug kann und die Search Console nicht

Hier wird es konkret. Microsoft benennt die Unterschiede selbst, und sie sind größer, als ich erwartet hatte:

FunktionGoogle Search ConsoleBing Webmaster Tools
Impressionen und Klicksjaja
Suchanfragenjaja
Indexierungsstatusjaja
Backlinks fremder Websitesneinja
Keyword-Recherche mit Volumenneinja
Technisches Site-Audit auf Abrufneinja
Sofortmeldung neuer Seiten (IndexNow)neinja
Daten aus Chat- und Copilot-Antwortenneinja
Suchanfragen aus KI-Antwortenneinja

Drei davon sind im Alltag richtig nützlich:

Backlinks für beliebige Websites. Die Search Console zeigt dir nur deine eigenen Verweise. Bing lässt dich auch die deiner Wettbewerber ansehen. Für lokale Märkte ist das oft aufschlussreicher als jedes kostenpflichtige Werkzeug, weil du dort schlicht sehen kannst, wo der Betrieb verzeichnet ist, der über dir steht.

Site Scan. Ein Audit auf Knopfdruck, das deine Seite crawlt und typische technische Fehler auflistet. Genau so bin ich auf zwei Befunde bei mir gestoßen, von denen einer echt war und einer ein Fehlalarm.

Keyword-Recherche. Nicht so umfangreich wie spezialisierte Werkzeuge, aber kostenlos und mit Volumenangaben. Für die Frage, ob jemand eher „Fenster austauschen“ oder „Fenster erneuern“ tippt, reicht das völlig.

Das stärkste Argument: Grounding Queries

Wenn du aus diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese.

Google hat im Juni 2026 seinen Bericht zu generativer KI eingeführt. Er zeigt Impressionen aus KI-Übersichten und dem KI-Modus, und zwar ausschließlich Impressionen. Keine Klicks, keine Suchanfragen. Ich habe das gestern im Detail auseinandergenommen: was der neue Bericht zeigt und was er verschweigt.

Microsoft hat seine AI Performance bereits im Februar 2026 gestartet, also vier Monate früher, und zeigt zwei Dinge, die bei Google fehlen:

  • Citations, also wie oft Copilot eine bestimmte Seite deiner Website tatsächlich für eine Antwort verwendet hat
  • Grounding Queries, also die Suchanfragen, die Copilot intern selbst formuliert, wenn er Inhalte aus dem Web braucht

Der zweite Punkt ist der interessante. Du siehst nicht nur, dass du zitiert wirst, sondern die Frage dahinter. Genau das ist die Ebene, die in der Google-Welt gerade alle vermissen. Sie sagt dir, welche Inhalte du schreiben müsstest, statt dir nur zu bestätigen, dass irgendetwas passiert ist.

IndexNow: neue Seiten sofort melden

IndexNow ist ein offenes Protokoll, das Microsoft und Yandex 2021 gestartet haben. Statt zu warten, bis ein Crawler vorbeikommt, meldest du eine neue oder geänderte Seite aktiv an.

Unterstützt wird es unter anderem von Bing, Yandex, Seznam und Naver. Google unterstützt es nicht. Wer also einen neuen Artikel veröffentlicht, kann ihn bei Bing binnen Minuten zur Prüfung anmelden, während bei Google weiter das normale Crawling greift.

Ein Wort zur Erwartung: IndexNow beschleunigt die Prüfung, nicht die Aufnahme. Ob eine Seite indexiert wird, entscheidet weiterhin die Suchmaschine.

Der lokale Hebel, den fast niemand nutzt

Für lokale Betriebe kommt ein zweiter Schritt hinzu, der wichtiger sein dürfte als die Webmaster Tools selbst.

Bing Places ist das Gegenstück zum Google-Unternehmensprofil. Microsoft dokumentiert, dass dieser Datensatz steuert, wie dein Betrieb in der Bing-Suche und in Bing Maps erscheint. Ohne verifizierten Eintrag steht dort, was Drittanbieter über dich gemeldet haben, und das ist oft veraltet.

Häufig liest man zusätzlich, Copilot ziehe seine lokalen Unternehmensdaten direkt aus Bing Places. Das ist plausibel, weil Copilot auf Bing aufsetzt, aber in Microsofts eigener Dokumentation habe ich es nicht gefunden. Ich formuliere es deshalb als das, was es ist: eine begründete Annahme, keine Zusage. Den gesicherten Teil, also Bing-Suche und Maps, rechtfertigt der halbstündige Aufwand ohnehin.

Und im Gegensatz zum Google-Unternehmensprofil, wo in jeder Stadt gekämpft wird, ist das Feld bei Bing Places in Deutschland noch erstaunlich leer. Wie die Einrichtung abläuft und welche Stolperfalle die Synchronisierung mit Google mit sich bringt, habe ich hier aufgeschrieben: Bing Places for Business. Wie stark lokale Einträge und Bewertungen für einzelne Gewerke durchschlagen, habe ich für Gebäudereiniger und Physiotherapiepraxen beschrieben. Die gleiche Logik gilt hier, nur mit weniger Wettbewerb.

Einrichtung in einer halben Stunde

Der Aufwand ist überschaubar:

  1. Konto anlegen unter bing.com/webmasters, mit Microsoft-, Google- oder Facebook-Konto.
  2. Website hinzufügen. Es gibt eine Abkürzung: Du kannst deine Properties direkt aus der Google Search Console importieren, dann entfällt die Verifizierung.
  3. Verifizieren, falls du nicht importierst. Drei Wege stehen zur Wahl: eine XML-Datei ins Stammverzeichnis legen, ein Meta-Tag einbauen oder einen DNS-Eintrag setzen. Die Datei ist der einfachste Weg.
  4. Sitemap einreichen, meist unter deinedomain.de/sitemap.xml.
  5. IndexNow aktivieren, falls dein System es unterstützt.
  6. Bing Places anlegen, wenn du ein lokaler Betrieb bist. Das ist der Schritt mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Mein Stand am ersten Tag

Und jetzt der ehrliche Teil, denn ich habe noch nichts vorzuweisen.

Der Screenshot oben zeigt meinen Kontostand einen Tag nach der Eintragung. Oben steht der Hinweis, dass die Daten und Berichte verarbeitet werden und das bis zu 48 Stunden dauern kann. Die AI Performance ist in der Seitenleiste sichtbar und mit Beta gekennzeichnet, Zahlen stehen dort noch keine.

Das ist der normale Zustand am Anfang, und ich zeige ihn bewusst, statt zu warten, bis die Kurven hübsch aussehen. Wer heute anfängt, sieht genau das.

Was ich hier in vier Wochen nachtrage

Diesen Artikel führe ich weiter, sobald echte Daten vorliegen. Konkret werde ich ergänzen:

  • die ersten Zahlen aus der AI Performance, insbesondere welche Grounding Queries bei mir auftauchen
  • ob sich die zitierten Seiten mit denen decken, die Google im KI-Bericht nennt, wo derzeit fast ausschließlich Blogartikel stehen
  • wie schnell Bing neue Artikel nach einer IndexNow-Meldung tatsächlich prüft
  • was der Site Scan an Befunden liefert und wie viele davon echt sind

Wenn dich das interessiert, schau in einigen Wochen wieder rein. Ich aktualisiere den Artikel mit datiertem Hinweis, statt einen neuen zu schreiben.

Fazit

Die Search Console bleibt dein Hauptwerkzeug, daran ändert sich nichts. Google bringt weiter den Löwenanteil der Besucher.

Aber die Bing Webmaster Tools kosten dich eine halbe Stunde und liefern dir zwei Dinge, die du sonst nirgends bekommst: Zugang zu dem Index, auf dem ein erheblicher Teil der KI-Antworten aufsetzt, und mit den Grounding Queries einen Blick auf die Fragen dahinter, den Google bislang nicht gewährt.

Für einen lokalen Betrieb ist das eine der wenigen Maßnahmen, bei denen Aufwand und möglicher Ertrag so eindeutig auseinanderliegen. Der Rest der Arbeit bleibt derselbe, nämlich Sichtbarkeit sauber aufzubauen, statt auf Abkürzungen zu hoffen.

Wenn du wissen willst, wie dein Betrieb in Suche und KI aktuell dasteht, melde dich für eine kostenlose Erstanalyse. Ich schaue mir das an und sage dir ehrlich, wo du stehst.

Dietrich Beck (Dima), Webdesigner und SEO-Experte aus Kassel

Dietrich Beck

Webdesigner & SEO-Experte aus Kassel

Ich helfe lokalen Unternehmen seit über 10 Jahren, bei Google sichtbar zu werden und mehr Anfragen zu bekommen. Was ich hier schreibe, kommt aus echten Projekten, nicht aus dem Lehrbuch: Webdesign, SEO und KI-Automatisierungen, die tatsächlich Kunden bringen.

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